Japan – Katinkas Reise ins Zauberland Teil 4 – Hiroshima

*Hier kommt ihr zu Teil 1 (Tokyo/Hakone), Teil 2 (Kyoto) und Teil 3 (Osaka/Nara)

Station 5 Hiroshima
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass Hiroshima zuerst nicht zu unseren unbedingten Zielen in Japan gehörte. Die Geschichte, wenn auch rudimentär, ist bekannt. Und gerade als Deutscher wird man verständlicherweise ja doch immer wieder mit dem 2. Weltkrieg konfrontiert und sei es nur beim Zappen: Auf irgendeinem Sender gibt es mit Sicherheit eine Hitler-/II.WK-Doku. Natürlich hatte der Bombenabwurf auf Hiroshima ausnahmsweise mal nichts mit deutscher Vernichtungswut im Jahre 1945 zu tun. Aber Krieg ist Krieg und das Thema ist schwer verdaulich. Da überlegt man sich eben im Urlaub, ob man die ganze Zeit Heititei macht oder sich auch mal geschichtlichen Dingen stellt, vor allem wenn es sich um so dramatische Themen handelt.
Hiroshima wäre auch ein ziemlicher Ausriss aus der Route gewesen (Hier kommt spät aber immerhin mal die Ansage, dass wir eine Rundreise allein auf der Hauptinsel Honshu planten (und auch verrichteten)). Hiroshima liegt ziemlich weit westlich und wäre bereits an einem Tag besichtigt. Lohnt sich das also…?
Allerdings liegt direkt vor Hiroshima (Wir befinden uns an der Küste) die kleine Insel Miyajima mit ihrem Shinto-Shrein Itsukushima (ja schon wieder ein Schrein). Das rote Torii, dass den Schrein weist, steht vor der Insel quasi im Wasser und kann bei Ebbe belaufen werden. Auch der Schrein befindet sich direkt am Strand. Bei Flut werden Torii und Schrein unterspült (stehen nämlich auf Stelzen) und es sieht so aus, als würden sie auf dem Wasser schwimmen. Mit so tollen Bildern habt ihr mich ja und zusätzlich mit Hiroshima gibt es zwei gut ausgefüllte Tage, also ging es dann doch für 2 Nächte nach Hiroshima.

Tag 12
Ankunft in Hiroshima
Meiner Meinung nach gab es eine große Veränderung in der Stadt-Atmosphäre im Vergleich zu den anderen Orten. Entweder war es das Wissen der Geschichte, die mich andächtiger werden ließ oder man hat tatsächlich gemerkt, dass die Stadt ihr Päckchen zu tragen hat.
Schon die Architektur sah ganz anders aus. Alles war breiter und man hatte mehr Platz. Mich haben die Häuser an sozialistische 70er-Jahre Bauten erinnert mit großen Promenaden. Es gab sogar die Betonblumenbeete mit Stiefmütterchen überall. Viel Beton generell.
Es war allgemein nicht so bunt und laut wie die anderen Städte. Irgendwie ruhiger und entschleunigter.
Im Zentrum der Stadt befindet sich umrahmt von 2 Flussarmen der Friedenspark. Hier war das Epizentrum der Explosion und hier hat man das große Denkmal errichtet. Auf dieser innerstädtischen Insel befindet sich das Friedensmuseum und eine Park-Anlage mit vielen Denkmälern für verschiedenste ethnische Gruppen und Persönlichkeiten, die ihr Leben lassen mussten. In der Mitte des Parks steht der Kenotaph mit einer Truhe, in der die Namen der Opfer der Atombombe hineinkommen. Es kommen stetig Namen dazu, da auch heute noch Menschen an den Folgen sterben.

Fakten zum Bombenabwurf
(Quelle z.T. Wikipedia)
Hiroshima wurde ausgewählt, da sich hier das Hauptquartier wichtiger Armeen und Divisionen befand und die Stadt als Truppensammelpunkt und Lagerung kriegswichtiger Güter genutzt wurde. Zudem befanden sich sehr wenige Kriegsgefangene in der Gegend.
Die meisten der 255.000 Einwohner waren jedoch Zivilisten.
Die Häuser bestanden traditionell aus Holz und Papier und so wurde mit einem Feuersturm gerechnet.
Die Bombe explodierte in 600m Höhe (da sie aus der Höhe noch mehr Vernichtungskraft besitzt).
Die Temperatur erreichte im Epizentrum schlagartig 4000°C.
70.000-80.000 Menschen waren sofort tot.
Innerhalb einer Sekunde hat die Detonationswelle 80 Prozent der Innenstadt vollständig zerstört.
Bis in 10 km wurden durch die Strahlung noch Feuer entzündet.
Little Boy war der Name dieser Atombombe und war mit 13 Kilotonnen TNT Sprengkraft quasi nur der kleine Bruder der Bombe Fat Man die mit fast doppelter Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT über Nagasaki explodierte.

Im Friedensmuseum werden Gegenstände, die durch die Hitze total deformiert wurden, Kleidung die zum Teil ausgebrannt wurde und Fotos von Menschen mit Verbrennungen gezeigt. Außerdem berichten Zeitzeugen, was sie erlebt haben.
Ich habe euch Bilder vom Museum mitgebracht. Die sind zum Teil etwas verstörend, da sie massive Verbrennungen von Überlebenden zeigen. Vielleicht solltet ihr beim Bilderstöbern nicht grad euer Brot essen. Aber wie gesagt, es handelt sich um Menschen, die überlebt haben. Die separate Galerie findet ihr unter der ersten Galerie mit den schönen Bildern.

Hier kommt noch eine Geschichte, die sehr traurig ist, aber in sich irgendwie auch schön:
Eine japanische Legende besagt, wenn man 1000 Origami-Kraniche faltet, erfüllen die Götter einem einen Wunsch.
Bei Sadako Sasaki, die mit 2,5 Jahren den Atombombenabwurf überlebte, diagnostizierte man 1955 im Alter von 12 Jahren Leukämie (gewiss verursacht von den Strahlen bei der Explosion). Sie hörte von der Kranich–Legende und begann zu falten. Es wurden sogar 1600 Kraniche, dennoch starb sie noch im selben Jahr. Gerührt von der Geschichte begannen Menschen mittlerweile weltweit gefaltene Kraniche erst ins Krankenhaus und später bis heute ins Friedensmuseum zu schicken, die in einem eigens für Sadako aufgestelltem Denkmal einen Platz bekommen.
Heute steht die Geschichte um Sadako Sasaki und der Origami-Kranich für Frieden auf der Welt und für die Abschaffung von Atomwaffen.

Eine Überleitung dieses Themas zum Urlaub ist unmöglich, also verzeiht die Abruptheit.

Weiter mit unserer Reise
Pünktlich um 18 Uhr zur Schließung verließen wir das Museum und kehrten in die Innenstadt zurück.
Hiroshima hat natürlich auch schöne Dinge zu bieten. Mittlerweile wohnen knapp 1,2 Mio. Menschen dort und haben auch ihren Zeitvertreib.
Vorbei an der wiederaufgebauten Burg sind wir hin zu einem Must-See in Hiroshima. Dem Okonomi-mura. Ein Haus voller Okonomiyaki-Restaurants.
Okonomiyaki heißt übersetzt soviel wie „brate, was dir gefällt“ und wird immer als eine Art Kohl-Eierkuchen oder Teig-mit-Kohl-Fladen beschrieben. In Hiroshima gibt es eine eigene Version dieses nationalen Gerichts – zusätzlich kommen noch gebratene Nudeln zwischen die Teigfladen. Und toppen kann man das dann noch mit allem möglichen Zeug: Garnelen, Schweinebauch, Kimchi, Spiegelei, oder alles auf einmal.
Sie werden direkt vor deiner Nase auf einer heißen Platte zubereitet und dir dann mit einem Spachtel (ja Spachtel!!) auf der Kochplatte serviert. Ich liebe es!! Ahhh.
(am Ostkreuz gibt es ein Okonomiyaki-Laden, falls das jemand in Berlin mal ausprobieren möchte. da aber ohne Kochplatte und Spachtel.)

Tag 13 Miyajima
Wie schon geschrieben liegt die Insel quasi direkt vor Hiroshimas Küste. Mit der Fähre hinübergesetzt, befanden wir uns wieder einmal in einer wahnsinnig schönen, grünen, bergigen, ruhigen und dorfähnlichen Gegend. Natürlich gibt es Schaaren an Touristen und die müssen wieder mit unzähligen Souveniershops betäubt werden. (Wir waren mit Sicherheit in jedem drin. Japanischer Kitsch ist einfach das Beste.)
Überall gab es mal wieder zahme Rehe. Rehe am Strand ist auch mal ein interessanter und merkwürdiger Anblick.
Eigentlich sind wir ja wegen des „schwimmenden“ Schreins hin, aber den haben wir kaum wahrgenommen, weil er uns recht wenig interessierte auf einmal. Es war grad Ebbe. Natürlich war er trotzdem super schön, aber wir hatten ja schon den Schrein-Overkill…. Und die Schlange zur Besichtigung war elend lang. Da haben wir beschlossen den Hügel (Mt. Misen 530 m) zu erklimmen, der mitten auf der Insel gewachsen war. Es gab auch eine Seilbahn, aber pff…. Wir hatten ziemlich gutes und warmes Wetter (so um die 25 °C bei strahlendem Sonnenschein) und der Schatten der Bäume spendete Erfrischung, bei diesem doch recht anstrengendem Weg, der absolut nicht barrierefrei war. Schätzungsweise nach 2 Stunden waren wir oben (vielleicht waren es auch mehr oder weniger, ich weiß es nicht mehr) und wurden mit einer umwerfenden Aussicht belohnt. (… und einem kleinen buddistischem Schrein… natürlich…)
Um hinunter zu kommen hätten wir den selben Weg wieder laufen müssen oder eine seeeehr lange andere Route nehmen, bei bereits vor Hunger nörgelndem Bauch. Darauf hatten wir dann doch weniger Lust und entschieden uns dann mit sehr vielen Menschen in eine Gondel zu quetschen. „Wenn auf dem Schild steht, dass die Gondel 40 Personen tragen kann, dann befüllen wir die auch mit 40 Personen, egal wieviel Platz ist“ war wohl das Motto der Angestellten, jedenfalls war es sehr sehr eng.
Was Hiroshima sein Okonomiyaki ist, ist Miyajima sein gegrillter Aal und seine Austern (Wirklich jeder Ort hat irgendeine Spezialität, die unbedingt probiert werden sollte. Als Japaner war man nicht in einer Stadt, wenn man nicht deren lokale Spezialität probierte.) Dem möchte ich mich natürlich nicht widersetzen. Ich habe sehr anständig gegessen. Der Aal war wirklich köstlich. Teuer! Aber köstlich! Fotos findet ihr auch unten!
Essen ist und bleibt mein zentrales Thema. 😉

Nächste Station Kanazawa (Geishaviertel mit Teehaus) und Takayama (die japanischen Alpen)

Hier nun die Galerie für den Friedenspark:

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