„Whoa! Stramme Brüste! Wuhuhuhuhuuuu….“

Das durfte ich mir gerade anhören von einem Mann um die 45-50 Jahre. Seine beiden gleichaltrigen Gefährten stimmten bei dem „Wuhu“ dann mit ein und grölten lautstark als sie an mir vorbeigingen. Es ist Mittag kurz vor 13 Uhr.

Ich war allein und ging in die entgegengesetzte Richtung. Ich habe außer Ignoranz und einem harten, kalten Blick geradeaus ins Leere nichts entgegengebracht. Was genau soll ich denen sagen, dass sie begreifen würden, wie Scheiße das war? Nach #metoo? Hat das überhaupt irgendwas gebracht?
Solche Menschen habe ich aufgegeben. Männer über 40, die sowas machen, haben Respekt vor Frauen und wahrscheinlich vor anderen Menschen im Allgemeinen nie gelernt. War ja auch ein Kompliment. Ich sehe ja anscheinend geil aus. Wenn man kein Gehirn besitzt, kann man Sexismus und seine Auswirkung eben nicht verstehen.

Die beschissenste Sache ist daran, dass mich das eingeschüchtert hat. Ich habe sofort geguckt, ob mein Oberteil zu tief ausgeschnitten oder runtergerutscht war (war es nicht, habe es aber trotzdem hochgezogen), habe an meiner Tasche, die nun mal quer über den Oberkörper geht und ins Dekolleté schneidet, herumgefummelt. Ich trage sogar einen Minimizer-BH, der den Busen optisch verkleinert.

Da ist nichts zu machen. Die Brüste bleiben an Ort und Stelle, egal wie ich herumzupfe. Immer noch Frau.
Da hilft nur Winter. Oder Verschleierung….

So sieht man aus, wenn man sexuell belästigt wird:

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Über den berliner S-Bahn Taschen-Grabscher…

In Berlin laufen ja die merkwürdigsten Gestalten herum. Hat auch sein Gutes: man kann seinen „Stil“ komplett ausleben und wird von allen Menschen gebührend ignoriert.

Allerdings gibt’s auch viele tatsächlich verrückte und schreiende und perverse Menschen. Besonders S-Bahn fahren ist ein großes Vergnügen, wenn man auf der Suche nach unbekannten Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung ist.

Gerade hat sich wieder der Taschen-Grabscher neben mich gesetzt. Diesem alten Herren bin ich schon mehrmals begegnet, deshalb wusste ich was mir blüht…

Er ist ein bisschen stinkig und hat einen riesigen, kantigen Plastikbeutel gefüllt mit Pfandflaschen und setzt sich neben Frauen. Die große Tasche auf seinem Schoß und halb auf dem der Nachbarin versucht er sich unterm Sichtschutz seiner Flaschen mit seiner Hand zum Schenkel seines Opfers zu arbeiten.

Er hat mich schon 2Mal in der Vergangenheit betatscht. Schon Jahre her. Aber sowas vergisst man nicht. Beim ersten Mal, wollte ich ihm nichts Böses und dachte er zittert vielleicht und seine Hand ist ausversehen zu meinem Schenkel gewandert, alten Menschen sind zufällige Bewegungen halt zuzutrauen. Beim zweiten Mal mit seiner fetten Tasche und den Fingern auf meinem Bein bin ich sofort aufgestanden und habe mich weggesetzt. Beim dritten Mal neben mich Setzen habe ich ihn sofort erkannt und bin gleich weg.

Seitdem sind vllt 4 Jahre vergangen. 

Heute fahr ich nichts ahnend S-Bahn, und sehe dass ein alter Mann mit fettem Plastikbeutel einsteigt. „Ist das nicht der Grabscher?“, denke ich mir.

Er setzt sich neben mich. Ich beobachte ihn ganz genau. Tatsächlich: seine Hand schiebt sich gaaaanz allmählich unter meinen Rock. Spinnenbeinartig wandern seine Finger voran. Sehr langsam aber zielgerichtet.

Ich hätte kotzen können.

Bin mit einer lauten Bewegung aufgestanden und hab mich weggesetzt.

Seine Reaktion war jedesmal ebenso abruptes Aufstehen und fluchtartiges Bahn verlassen.

Ich habe ihm kein einziges Mal irgendwas gesagt. Hilfe brauchte ich nicht rufen, da ich mich in keiner ernsthaften Gefahr sah und auch nicht war. Der Mann war viel zu klapprig, als dass er mich hätte überwältigen können. Uhrzeit war übrigens morgens um 9Uhr und es gäbe genug Menschen, die Hilfe hätten leisten können.

Aber wie reagiert man angemessen in so einer Situation? Niemand der Anwesenden hat überhaupt bemerkt, was der Alte da wohl den ganzen Tag treibt. Was hätte ich ihm sagen sollen. „Hör auf! Das macht man nicht!“?, das weiß der selber, sonst hätte er das nicht so subtil gemacht und wär nicht so rasant abgehauen.

Irgendwie wollte ich auch gar nicht stärker reagieren, das würde es wiederum zu sehr an mich ranlassen und Verdrängen ist eine altbewährte Methode unseres Körpers. Ruft man die Polizei? Und dann? Strafgeld? Und dann? Ich will überhaupt nichts mit diesem Mann zu tun haben, dennoch finde ich es blöd, überhaupt nicht zu reagieren.

Ich lege mir gerade einen Text zurecht, dem ich ihm sagen werde. Laut und deutlich: „Nein! Sie fassen mich nicht an und Sie fassen auch keine andere Frau an!“

Ich hoffe, das wirkt wie ein Hexspruch!

Ich hoffe, ich muss gar nicht erst zaubern.