My spring of Goldfrapp.

*Ein Artikel für die Goldfrapp-LiebhaberInnen. Vielleicht schwelgt ja der ein oder andere mit mir durch die Alben.

Ich entschuldige mich direkt für den kitschigen Titel, aber dahinter steckt mehr, als es jetzt den Anschein macht.

Gestern Abend begann meine Zeitreise zurück in den Frühling meines Lebens. Meine Jugendzeit. (1. check für den Titel. Spring=Frühling=Jugend. Super kitschig….)
Ich war beim Goldfrapp Konzert.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich gar nicht unbedingt hinwollte. Wir gehen schon sehr lange Hand in Hand, doch haben wir uns auch beide weiterentwickelt. Wir sind zwar oft aber nicht immer auf einer Wellenlänge. Und irgendwie habe ich das „auf-alle-Konzerte-Gerenne“ hinter mir gelassen.

Alles begann 2000 mit Felt Mountain. Ich bin Fan seit der 1. Stunde. „Utopia“ lief auf dem (2002 verschiedenen) Musik-Sender Viva Zwei und ich war Schock verliebt. In das Lied, in das Video, in die Frau. Seitdem begann meine Obsession mit der Sängerin Alison Goldfrapp und dem Duo Goldfrapp.

Das ganze Album ist eine Mischung aus Filmmusik, Folklore, Synthie, Triphop. Alles Mögliche. Ich habe vorher nichts vergleichbares gehört und muss ehrlich gestehen, dass ich zwar Utopia und einige andere Songs sofort liebte, aber ich brauchte eine ganze Weile für z.B. Oompa Radar, „Blasmusik mit Kuckucksuhr und Elfengesang“ wär vielleicht eine passende Beschreibung. Jedenfalls ist das Album wahnsinnig vielseitig und traut seinen Hörern sehr viel zu.
Es ist und bleibt ein Liebling meinerseits.

Ich besitze immernoch einen Flyer, der ihr zweites Album Black Cherry im Jahr 2003 ankündigt. Damals war ich 16 und man sieht noch die Büroklammerabdrücke, da ich den Flyer in meinem Schülerkalender mit Büroklammern befestigt hatte. Ich hab dem so hingefiebert. Ich hatte für mein Alter einen ausgesprochen guten Musikgeschmack, muss ich ganz unbescheiden gestehen, ich weiß ( 😛 ). Freunde definierten sich zu der Zeit durch Gemeinsamkeiten. Wer „Charts“ hörte, war sofort raus. Aber man konnte damals den Leuten ja auch ansehen, ob sie sich für Musik interessierten. Ich habe neuen Bekanntschaften damals immer zu erst auf die Schuhe geschaut. Die waren der Schlüssel. Wer alternative Musik weit ab vom Mainstream bevorzugte, sah auch anders aus. Zum Beispiel trug er Chucks (,die damals noch nicht gesellschaftsfähig waren. Jedenfalls nicht in Deutschland.) Das gehörte zum Dresscode. Und so fand man auch seine kleine Gemeinde, mit denen man zu Konzerten ging und über Musik redete. Musik war mein Leben, deshalb sind die Erfahrungen, die Erinnerungen und alles drumherum so tief und auch wichtig.

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Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mit ner Freundin im Park saß und wir gemeinsam zum ersten Mal ins Album gehört haben. Wir waren beide erstmal völlig überfordert. Es gab gewaltige Electro-Beats und alles wirkte so ganz anders als ihr Filmusikisches-folklorisches Debut-Werk.

Aber ich lernte durch Goldfrapp Electro (was auch immer das heißen mag) kennen und lieben. Obwohl ich eher aus der Alternative-/Rockgegend kam.

Album Nr.3 Supernature (2005) war das 1. Album, mit dem ich nicht 100 Prozent einig war. Sagen wir mal so 75%. Einige Songs mochte ich sehr sehr gern und andere waren mir hauptsächlich egal, was jetzt nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist. Aber es hat definitiv seine Stärken und einen Platz in meinem Herzen.
Ich empfand den Vorgänger Black Cherry als sehr hart. Aber genau das mochte ich und auf diesem neuen Album waren die Beats irgendwie weicher und gingen nicht mehr direkt „in the face“ (oh gott mein denglisch ist schrecklich. Bitte verzeiht mir!).

Ich war nun also für alles Kommende bereit.

2008 ging Seventh Tree wieder einen Schritt zurück. Ich wurde mit sanften akustischen Klängen zugedeckt. Ich entdeckte vergessenes aus Felt Mountain wieder und hatte das Gefühl, sie hätten einen Bogen zurück geschlagen. Sie waren von ihrer Reise wieder zu Hause eingekehrt.

Golfrapp ist ein Duo und besteht aus der sehr charismatischen Sängerin Alison Goldfrapp und dem Filmkomponisten  Will Gregory. Dass Alison Goldfrapp bildene Kunst studiert hat, spürt man durchweg. In Ihrer Musik kann man die Ästhetik förmlich sehen. Ich weiß nicht, wie sie das hinbekommen, aber ich kann ihre Musik sehen. Überhaupt steckt in ihrem ganzen „Produkt“ unglaublich viel Ästhetik. Die Alben, Booklets, Promos und Videos sind immer sehr durchdacht und fürs Auge äußerst ansprechend. Ich habe immernoch mein riesen Goldfrapp-Poster neben meinem Helmut Newton- Poster im Schlafzimmer hängen (wie gesagt, ich war besessen von der Frau). So viel Kunst in verschiedensten Formen. Ja auch die Texte haben mich immer begeistert, waren manchmal so simpel, verschwommen und unverständlich, alles gehört zusammen und war immer bewusst und das spürt man.

Warum ich grad so ausschweifte war ihr nun folgendes Album. 2010 erschien Head First. Dieses Album meide ich bis heute. Ich habe es mir brav gekauft aber irgendwann von meinem Mp3 player herunter geschmissen, weil ich eh skippe, wenn es mein Shuffle ausspuckt. Goldfrapp haben selbst gesagt, dass sie diesmal ein kommerzielles Album machen wollten, was ich später irgendwann mal erfahren habe. Und ich weiß nicht, was da passiert ist, aber irgendwie haben sie sich meiner Meinung nach einen Anzug übergestülpt, der ihnen nicht steht. Die Musik ist natürlich nicht schlecht, aber ich fühlte mich so gar nicht angesprochen. Die Musik erschien mir auf einmal leer und kopiert.
Ich weiß nicht mal, was ich für einen Song jetzt hier einbetten soll, da ich keines wirklich gerne mag um es unbedingt teilen zu müssen. Ich verzichte also und überlasse euch das googlen.

2013 versöhnte mich Tales of Us wieder ganz und gar. Die Musik war wieder reich an Farben, Emotionen und Bildern. Die Akustik war zurück und die schätze ich bei Goldfrapp ganz besonders.

Schade, dass folgendes Video (Drew) (für Personen unter 18) gesperrt ist, weil man nackte Menschen sieht. Ein Blick hinein lohnt sich dennoch. Das Video ist wunderschön und das Lied sowieso. (ich übe die ganze Zeit fleißig am Klavier.)

Dieses Jahr kam nun ihre neustes Werk Silver Eye. Nach jedem Akustik Album folgt ein Disko-Album, wie mir scheint. Es ist ziemlich tanzbar und macht Spaß (und funktioniert live übrigens ziemlich gut.) Ich mag das Album jetzt gar nicht so zerkauen.
Also ich bin Goldfrapp treu ergeben und so lange auch sie sich treu bleiben, bleib ich es auch.

Irgendwann zwischen diesen ganzen Alben bin ich auf die Information gestoßen, dass Goldfrapp den Soundtrack für einen Film gemacht haben:
my summer of love (nächster Shout out zu meinem Kitsch-Titel)
Ein Film, der die ganze Zeit musikalisch von Goldfrapp begleitet wird? Das lass ich mir nicht 2mal sagen. Ich besitze also Soundtrack und DVD des Films.
Wer Goldfrapp mag und den Film nicht kennt, sollte mal reinschauen. Emily Blunt spielt eine der Hauptrollen, falls das Anregung sein sollte. 😉
Übrigens ist der Film nicht ganz so psychedelisch wie der Trailer vermuten lässt:

Das ist meine Vorgeschichte zur Band. Sie besteht seit bestimmt 15 Jahren. Nun bin ich also zum Konzert. Ich hatte Angst, dass zu viel von Head First kommt. (Ohaaaa!!! jetzt hab ich noch ne Interpretation zum Titel des Albums. Kopf zuerst statt Herz! bewusst Kommerz statt eigener Interessen. Zu weit an den Haaren herbei gezogen? Jedenfalls fehlte mir ja genau das Herz bei diesem Album.) Ich war überhaupt nicht aufgeregt musste mich morgens gar erinnern, dass ja abends das Konzert war. Ich habe also nichts erwartet und bin einfach hin.

Menschen rufen und schreien als Alison Goldfrapp erscheint. Ich war da noch relativ unbeeindruckt und dann begann das erste Stück.
Es war Utopia.
Und ich hab angefangen zu weinen.

Ich bin in der Zeit stehen geblieben

Ich sitze grad zu Hause und höre Musik. Zur Zeit höre ich ständig Reptilia von den Strokes. Wenn ich Sport mache kommt ein Mix aus Muse, Portishead, Tocotronic, Queens of the Stone Age, Le Tigre und irgendwelches Electrogedönz von The Knife, Röyksopp, Boys Noize und Trentemöller.

Mein MP3 Player ist im Jahr 2006 eingefroren.

In meinen Teeniejahren war ich ein totaler Musikjunkie und hab unglaublich viel konsumiert. Mit erhobenen Haupt habe ich mich einen Kenner geschimpft. Bin zu jedem kleinen Konzert in die großen Städte gereist: (mit 14 mein 1. Toco Konzert ❤ ). Ich habe die Nase gerümpft, wenn jemand meinte, dass er gerne Radio hört. Was ist das denn bitte für ne Musikrichtung??

Mein musikalischer Kontext war immer vielseitig. Seit dem Alter von 9 Jahren habe ich klassischen Gesangunterricht. Mit 11 kam das Klavier dazu. Ich war mehrmalige Preisträgerin bei Jugend musiziert. Hey, ich war sogar mehrmalige „Landesmeisterin“… haha…
Mit 15 bis zum Abi hab ich in ner Jazzband gesungen. Wir sind damals schon ziemlich gut rumgekommen. Ansonsten hab ich ja immer parallel weiter klassische Musik gemacht. Privat hab ich aber „Indie“ gehört. Damals musste ich immer jedem erklären, dass das nichts mit indischer Musik zu tun hat.

Mittlerweile ist Indie ein Schimpfwort für mich und hat sich von Independent zu Mainstream degeneriert. Alle musizieren irgendwie nur noch im Sumpf der Einheit.

Liebe Freunde, ich habe Musik studiert. Ja ok, ich hab mehr Zeit mit Mozart und Co verbracht, aber eine Liebe zur Klassik schließt eine Liebe zu „moderner“ Musik nicht aus.

Mittlerweile höre ich sehr wenig Musik. Paradoxerweise war das besonders während des Studiums so. Wenn man die ganze Zeit immer von Musik umgeben ist, weiß man Stille zu schätzen. Auch wenn ich mich in nem Gespräch befinde, oder ein Buch lese, kann ich parallel schlecht Musik hören. Mein Gehirn fängt immer sofort an, alles auseinander zu nehmen und ich kann mich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Im Gegensatz dazu höre ich Musik sehr aktiv und bewusst. Ich leg ne Platte auf und höre zu. Mache vllt etwas dazu, was intellektuell nicht weiter stimulierend ist.

Abgesehen davon, gibt es nur noch wenig Musik, die mich umhaut. Für mich muss Musik immer irgendwas mitbringen. Entweder eine starke harmonische Struktur, einen starken Text, oder eine starke Instrumentierung. Einfach nur ne schöne Stimme ist langwelig (sagt die Opernsängerin ^^). Ich brauch immer was besonderes.

Ich bin sehr froh, dass meine Lieblinge der 90/00er Jahre ALLE noch existieren, und weiter in teilweise viel zu langen Abständen Alben herausbringen, oder ich sie wenigstens noch in Konzerten bewundern kann.

Im Februar war ich beim ausverkauften Massive Attack Konzert. Ich musste einen üblen Aufwand betreiben, um noch an 2 Karten für das selbe Konzert zu kommen (zwischen zeitlich hatte ich nämlich jeweils eine für den 17.2. und den 18.2.  -.-). Das war das Weihnachtsgeschenk an meinen Freund. Jedem dem ich davon erzählte, fragte, wer denn Massive Attack sei.
Whaaat?? Dann singt man jedem kurz Teardrop vor und alle: Ach die!
JA man…
Es war übrigens unbeschreiblich toll.

Ich könnte ewig und immer Triphip hören.
Hier übrigens eine Anfrage: Ich warte ja immer auf eine*n Musiker*in, der*die mich an die Hand nimmt und mit mir Sachen à la Portishead, Goldfrapp, Fever Ray, Air, etc… macht. NA? Jemand Interesse?

Ich geh ans Musizieren viel zu verkopft ran und alles, was ich produziere, gefällt mir nicht. Ich sitze an meinem feinen Klavier, improvisiere und singe. Nehme das auf. Hörs mir an und denke: Ach du Scheiße. Das würde ich selber im Leben nicht hören… Ahhh…

So wird aus mir nie eine eigenständige Musikerin. Da wird’s wohl erstmal beim Reproduzieren und neu-Interpretieren bleiben.

Das ist eigentlich der Grund, warum ihr von mir nichts eigenes hört. Ich möchte Musik machen, die mich selbst umhaut und weiß nicht, ob ich das jemals schaffen werde.

Das Kämmerlein bleibt dennoch nicht still. Ich probier es weiter…

Gleich geh ich zum Sport. Welches Album wird’s wohl heute?