Mut. Warten. Mutig bleiben…

Da dieser Beitrag quasi eine Fortsetzung des letzten Beitrags vom Sonntag ist, empfehle ich diesen vorigen zu erst zu lesen, denn sonst versteht man wohl nicht, was los ist.
(Wer keine Zeit hat, eine Kurzfassung: Mein Teamleiter musste gehen und ich habe mich am Montag todesmutig auf die Stelle beworben. Obwohl ich absolut keine Ahnung von dem ganzen Kram habe.)

Ich gab Montag also persönlich meine Bewerbung ab.
Meine Chefin (Die Hauptgeschäftsführerin) sah mich mit dem Zettel in der Hand, bekam große Augen und sprach schon eher seufzend: Oh nein.
Ich tippte darauf, dass sie dachte, dass ich kündigen möchte. Und sagte „keine Angst, ich möchte nicht gehen. Eher im Gegenteil.“
Sie sah den Betreff. Und jetzt begann ein sehr lustiges Schauspiel für mich. Sie begann zu lachen, zu klatschen und mit den Füßen auf den Boden zu trommeln. Ungelogen!!
Und sagte „Oh ich hab mir das so sehr gewünscht, dass du das machst.“
Was ernsthaft??
Sie war auf einmal total aufgeregt und wollte sofort ein Gespräch vereinbaren. Sie hatte schon mit den Betriebsleiter über mich in dieser Position gesprochen. Deshalb sagte er in meinem Personalgespräch vor einer Woche „Schade“, als ich noch ganz unschuldig nicht wusste, dass die Stelle bald frei wird, und mir keine hohen Ziele in der Firma gesteckt habe. Und mit einer anderen Kollegin von auch da ganz oben, sprach sie über mich, die sich das mit mir auch super vorstellen konnte.

Dienstag (also am nächsten Tag) kam ich wieder ins Büro und ich wurde schon von einem anderen Teamleiter, mit dem mich eine – ich sag mal Hass-Liebe – verbindet, grinsend begrüßt. Interessanterweise dachte ich, sei es bei ihm am schwierigsten – von all den anderen – ihn auf meine Seite zu ziehen, aber dann sprach er: Er hatte sofort an mich gedacht, als die Stelle frei wurde…
Also meine Wahrnehmung scheint ja völlig für den Müll zu sein…
Er ist halt sehr gemein und hat immer nen total nervigen Spruch auf Lager. Ich bin allerdings auch nicht auf den Mund gefallen und konnte bisher immer gegenhalten. Allerdings falle ich bei im auch mal aus der Rolle und mir ist egal wenn ich sämtlichen Respekt verliere. Ich habe ihn wohl schon mehr als einmal Arschloch genannt und den Stinkefinger gezeigt. Wohlgemerkt, ist das einer meiner Vorgesetzten. (würde ich auch nicht bei jedem machen…. ) Aber er scheint, das nicht so schlimm zu finden, wenn er sich grinsend freut, dass ich eventuell bald auf seiner Ebene bin. Er sagt auch, dass er mich voll unterstützt und mir gern hilft, wenn ich was brauche. Der Arschloch-Kollege?? Mein Gott. Werden wir jetzt noch beste Freunde oder was?

Im Prinzip scheinen alle Teamleiter auf meiner Seite zu stehen. Und 2 davon meinten, sie werden sich für mich einsetzen. Mir kommen ja fast die Tränen. Also das ist wirklich mal Wertschätzung.
Habe mich also Montag und Dienstag unbesiegbar wie Superman gefühlt. Kein Kryptonit weit und breit.

Meine Chefin hatte es dann aber doch gefunden. Gestern kam dann mal eine gehörige Ernüchterung. Ich hatte mein Gespräch. Sie hatte sich nach all dem Vorgestelle dann auch mal meinen Lebenslauf angeschaut. Da sie wusste, dass ich Sängerin bin, dachte ich, dass sie das schon einkalkuliert hatte, dass ich eben keine kaufmännische Ausbildung oder dergleichen habe. Sogar im Gespräch als ich ihr die Bewerbung gab, sagte sie noch „Ich kann dir alles beibringen und das kriegen wir schon hin. Die meisten sind wie ich aus einer anderen Position hochgerutscht. Ich selbst ja auch.“
Nun war das aber doch ein Problem??

Gestern sind wir dann all die Punkte durchgegangen, die die Stelle mit sich bringt. Und das war schon enorm, hat mich aber nicht überrascht. Ich finde, ich habe mich ganz gut angestellt.
Sie meinte, sie lässt sich das nochmal durch den Kopf geben und sagt mir nächste Woche bescheid, ob sie sich das überhaupt vorstellen kann.
Die Ausschreibung der Stelle ist allerdings noch 2 Wochen aktiv. Wenn sich niemand Geeigneteres findet, bin ich dann wohl Schmerzwahl. Aber immerhin.
Dafür, dass ich absolut gar keine Erfahrung mitbringe, ist das doch schon eigentlich ziemlich cool, dass ich so viel Unterstützung seitens der anderen Teamleiter und sogar des Betriebsleiters erfahre.

Am 11.06. wird es wohl die finale Entscheidung geben.
Es bleibt also spannend!

Hier ist der Artikel quasi zu Ende, aber ich möchte nochmal herausziehen, was das alles für mich bedeutet. Ich lerne ja grad, meine Qualitäten mir auch selbst bewusst zu machen und so besser in die Zukunft zu schreiten.
Dass mich quasi jeder gut genug kennt in einem tatsächlich großen Unternehmen, ist ja schonmal was, warüber ich nie nachgedacht habe. Ich bin halt sehr gesellig und quatsche mit jedem, egal auf welcher Ebene. Ich hatte ja sogar schon ein Pläuschchen mit eben der Geschäftsführerin. Sie ging sogar bei einer Bewerbung drauf ein: das kurze Gespräch hat ihr sehr viel über mich gezeigt. Ich kann gut mit Menschen und bin klug genug.
Mein Alter macht mir meist auch zu schaffen. Ich werde bald 32.
Allerdings ist nun auch mein Alter eine Qualität. Ich bin reifer als die anderen und besitze mehr Lebenserfahrung. Das sticht halt auch heraus. Deshab fühle ich mich ja auch so wohl bei den anderen Teamleitern. Die sind nämlich eher in meinem Alter.
In der Kunst duzen sich alle. Ich habe schon zu Unizeiten, meine Dozenten und Professoren duzen können. Daher ist auch meine Respektwand vor Obrigkeiten nicht so extrem. Natürlich ist mir klar, wer mein Vorgesetzter ist und ich behandel den auch so, dennoch bin ich recht locker und habe keine Angst (… Ihn auch mal Arschloch zu nennen xD).
Und ich glaube mein darstellerisches Studium und gerade der Schauspielunterricht mit den Improvisationen war gute Voraussetzung um auf jede Situation irgendwie adäquat reagieren zu können. An sich bin ich recht schlagfertig. Das hab ich auch in meinem Bewerbungsgespräch gemerkt. Ich war total ruhig und entspannt.

Natürlich befürchte ich, falls ich den Job bekomme, zu versagen. Aber das ist total berechtigt und kann ja sogar passieren. Ich bin dennoch total froh, den Schritt gewagt zu haben. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich genug von auf-der-Stelle-stehen habe. Sollte sie mich nicht für die Position besetzen, werde ich mich weiter umsehen nach einer geeigneteren Zukunft. Ich hab schon Ideen. Ich muss nur mutig genug sein, es auch anzugehen. Und gerade habe ich vor gar nichts Angst.

Muahhh!

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Foto von Pixabay

5 Gedanken zu “Mut. Warten. Mutig bleiben…

  1. Ich finde es super, dass du so mutig bist! Wenn dein Bauch und dein Herz sagt, es ist gut so, dann ist es das auch. Das der Kopf dann dazwischen quatscht, sogar mit negativen, kenn ich auch. Man macht ich sehr oft kleiner als man überhaupt ist.

    Nur Mut!

    Ich drücke dir auf jedenfall die Daumen. Sollte die Stelle für dich bestimmt sein, dann bekommst du sie auch, wenn nicht, dann hast du etwas wichtigeres, das auf dich wartet entdeckt / gelernt zu werden und das ist dann auch gut so. Auch wenn mans dann persönlich nimmt, musst du das nicht, du bist vom Gefühl her eine tolle Frau und deine Lebenserfahrung geht eben in eine andere Richtung. 🙂

    Alles hat seine Zeit !

    Liebe Grüße
    Yvonne

    Gefällt 1 Person

  2. Sehr cooler Beitrag 🙂 ich selbst kenne das auch, dass man sich selbst oft nicht so viel zu traut, obwohl man es eigentlich kann und dabei auch andere auf seiner Seite hat. Ich bin schon ganz gespannt was raus kommen wird 😉

    Ganz liebe Grüße, Alex

    Gefällt 1 Person

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