Mein Fastenversuch – Die Bilanz

Nun ist das Experiment (nachzulesen hier (allgemein), bzw. hier(Start)) schon eine gute Woche her und ich hatte genug Zeit zu beobachten, ob und was sich dadurch/seitdem für mich verändert hat.
Meine Fastenwoche bestand aus Entlastungstag(Sonntag), 5 Fastentage (Montag bis Freitag) und 2 Aufbautagen (Samstag und Sonntag).

Fangen wir mal objektiv mit dem Gewicht an. Da mein Kalorienverbrauch täglich bei ca 2000 Kcal liegt, habe ich mit einer Abnahme von rund 2 Kg gerechnet (7000 Kcal=1 Kg Fett).
Fastenkurve
Das Gewicht am Entlastungstag ist gleichzeitig das Startgewicht. Ich startete also bei 78,5 Kg. Und dann ging es gut nach unten. Nach den 5 Fastentagen landete ich sogar bei 74,6 Kg (-3,9Kg)  und war ja fast den Tränen nahe. Ich wusste aber natürlich, dass da 2 Kilo zuviel mit wegegangen sind, die sich ganz schnell wieder als Wassereinlagerung einnisten werden.
Man kann schön beobachten wie sich das Fastenbrechen am Gewicht zeigt und wie sich das Gewicht danach zwischen 75,7 und 76,1 Kg einpendelt.
Der Kurvenanstieg die letzten Tage ist Ostern zu verdanken. Dennoch bin ich immernoch bei einem Minus von 2 Kg. Juche!

Ich habe ja jeden Tag die Stimmung beschrieben, möchte aber doch noch die 5 Tage Fasten verallgemeinern.

Verlangen nach Essen
Der Entlastungstag, also die Vorbereitung des Körpers, war für mich der schwierigste Tag. Es gab zwar noch etwas zu essen, aber das war mächtig unbefriedigend. Vielleicht lag es auch daran, dass ich an diesem Tag noch in meinen eigenen 4 Wänden war, nebst Mann, der weiter aß und zusätzlich noch im Kiez spazieren, vorbei an Cafés mit Kaffee und Kuchen.
Montag bis Freitag hatte ich mich zu meiner Mutter am Stadtrand ausquartiert. Ich meisterte meinen Saft- und Brühensoll gut und lief nicht einmal Gefahr, doch mal zu Naschen. Wirklich Null.
Ich war niemals frustriert oder schlecht gelaunt.
Außerdem habe ich ganz viele Sendung im Fernsehen und auch im Internet rund ums Essen geschaut. Irgendwie hat das geholfen, den Hunger zu stillen. Fragt mich nicht wieso…

Körperliche Verfassung
Die hat mich wahnsinnig genervt. Ich war total schwach und mir wurde nach jedem Aufstehen schwindelig, dass ich mich nochmal festhalten oder gar direkt nochmal hinsetzen musste. Ich war unkonzentriert und tollpatschig und ich weiß nicht, wie oft mir mein Handy auf den Boden geknallt ist. Einmal hat’s sogar den Laptop mitgerissen.
Spazieren ging aber super und ich hatte wirklich große Freude daran. Allgemein zog es mich ständig raus. Ich habe mich einfach auf die Terasse gesetzt oder bin im Garten und ums Haus heraumgelaufen. Immer wieder.
Einen Saunagang am Dritten Fastentag habe ich mir zugetraut, ich war den nächsten Tag aber noch erschöpfter als zuvor, obwohl die letzten Fastentage hätten besser gehen sollen. Also war das schonmal nicht so ne gute Idee.

Gesundheit
Dazu kann ich kaum etwas sagen. Es soll ja den Zellstoffwechsel unterstützen und ist eher eine Vorbeugung, als eine Therapie. Schlacken (Eiweißeinlagerungen in den Zellen) sollen abgebaut werden. Allgemein hat der Körper endlich die Zeit den ganzen Zellmüll aufzuräumen, weil er mal nicht mit Verdauen beschäftigt ist.
Also ich profitiere still davon, ohne direkt zu merken, dass sich etwas verbessert hat.

Theoretisch kann man alle 2 Monate Fasten und es wird empfohlen, es wenigstens einmal im Jahr zu unternehmen.
Ich fand es wirklich sehr anstrengend und weiß nicht, ob ich mich nochmal dazu durchringen kann, auch wenn es so gesund ist.

Was nehme ich mit für den Alltag?
Kleinigkeiten. Zum Beispiel konnte ich Obst nie viel abgewinnen. Mein Fastenbrechen bestand aus einem Apfel und ich fand ihn köstlich. Wenn ich Schoki mit Apfel also austauschen kann, wär dadurch schon viel gewonnen. Nicht unbedingt kalorisch (Obst hat viel Zucker), aber es hat mehr Ballststoffe und sättigt überhaupt. Bei Schoki kenne ich keinen Stopp.
Außerdem konnte ich Knäcke für mich gewinnen. Auch das habe ich vorher nicht verstanden. Es schmeckt wie Pappe. Finde ich nun nicht mehr. Und ich knabber dann eben Abends mal an ner Scheibe Saatenknäcke, als an ner Tüte Kartoffelchips und das weil es mir wirklich schmeckt. Das das gesünder ist, wusste ich vorher schon.
Die Portionsgrößen haben sich geändert. Ich konnte tatsächlich am 1. Aufbautag (also beim Fastenbrechen) nicht so viel Essen. Ich war nach 3 Bissen satt (hatte dann aber auch schnell wieder Hunger). Aber es macht schon einen Unterschied, ob ich am selben Brötchen 2 Stunden herumkaue oder ob ich in einer Stunde 2 Brötchen esse.

Leider macht mir Ostern grad einen Strich durch die Rechnung. Und unangekündigter Besuch mit Essen im Gepäck. Ich kann nicht eher ruhen bis das Zeug weg ist. Glücklicherweise fällt Ostern an Süßkram immer bescheidener aus als beispielsweise Weihnachten und es ist bald überstanden.

Außerdem möchte ich zukünftig öfter mal an Tagen nach ESSkapaden, einfach einen Fastentag einführen. So kann ich das überschüssige Kaloriengut direkt wieder verbraten. Ich komm mit ganz oder gar nicht einfach besser hin.

Eine Frage an mich selbst habe ich allerdings noch. Wieso schaffe ich es 5 Tage hintereinander nichts zu essen, aber an Tagen wo ich einfach nur weniger essen möchte verzweifle ich?
Ich denke es hat was mit Fristen zu tun. Challenges, die befristet sind, schaffe ich irgendwie. Aber dieses gefühlt endlose Abnehmen zermürbt mich.
Ich werde also kurze Fristen setzen und neue Regeln für mich aufstellen. Da muss ich mir noch konkret etwas überlegen. Ich hab aber schon eine schwammige Vorstellung.

Soviel zu meiner Bilanz. Wenn sich die 75Kg dann hält feier ich nochmal groß die 20Kg-Abnahme und damit das Erreichen meines 2. Zwischenziels. 😉

Ich hoffe, ihr hattet schöne Osterfeiertage oder Pessach oder einfach ein paar nette Tage frei. Ich freue mich schon wild auf den Frühling!

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3 Gedanken zu “Mein Fastenversuch – Die Bilanz

  1. Wie lang hat das körperliche Schwächegefühl nach dem Fasten denn noch gedauert? Und halten die Effekte (Portionsgröße, veränderter Geschmack, Gewichtsverlust,…) noch an? Fühlst du dich nun irgendwie „gesünder“?

    Grüße

    Liken

    1. Hallo Tom,
      Danke für deine Fragen.
      Das Schwächegefühl, war mit dem Fastenbrechen wieder verschwunden. Es hätte ja theoretisch schon ab dem 4. Tag Fasten besser gehen sollen (da der Körper so lang zum Umstellen brauch), aber ich hab das wohl durch den Saunagang verzögert.
      Portionsgröße hält an so lange ich nicht in soziale Gesellschaften (Ostern, Geburtstag) gerate. So wie ich mich kenne, dehne ich den Magen schnell genug wieder (das kommt von meiner langen Tradition des Binge-eating), aber ich versuche bewusster auf die Signale (Sättigung) zu hören.
      Veränderter Geschmack würde ich eher als offenen Geschmack bezeichnen. Das bleibt. Lust auf Eis und co ist geblieben, aber hinzukommt eben auch mal Lust auf nen Apfel oder ein Knäcke.
      Der Zusammenhang zwischen Kalorien und Gewicht ist mir sehr klar. Da ich Kalorien zähle und nicht über mein Tagesumsatz gehe, nehme ich auch nicht wieder zu, das hat mit dem Fasten an sich ja nichts zu tun.

      Ein paar Nachträge für die Bilanz hätte ich aber schon. Meine Haut ist besser geworden. Ich habe normalerweise Rötungen im Gesicht, die sind sichtbar zurückgegangen.
      Und mein Schlaf hat sich auch verändert. Ich werde früher müde und wache auch zeitiger wieder auf (trotz Zeitumstellung. Vorher wurde ich erst gegen 1-2 nachts müde. Bin oft gegen 3-4 Uhr nochmal aufgestanden um mich müde zu lesen. dementsprechend musste ich lang ausschlafen. Das hatte mich sehr genervt.). Während des Fastens habe ich weniger Schlaf des nachts gebraucht (nur so 5 Stunden, dafür musste ich tagsüber ruhen). Das hat meinen Schlafrhythmus allgemein aufgebrochen. Jetzt schlafe ich zwischen 11-12 ein und wache gegen 7-8 Uhr morgens auf. Herrlich! Da kann zusätzlich auch das Koffein natürlich mit reinspielen, auf das ich verichtet habe. Und nun verzichte ich ab Mittag auf Koffein.
      Ansonsten beschrieb ich schon, dass gerade die „Zellerneuerung“ eher eine Vorbeugung ist und gegen Krankheiten, die einen erst später erreichen (Herzinfakt, Schlaganfall) helfen.
      Ich fühle mich nicht weniger oder mehr fit oder „gesünder“ als vorher.

      Noch irgendwelche Fragen? 🙂

      Liken

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