Über den berliner S-Bahn Taschen-Grabscher…

In Berlin laufen ja die merkwürdigsten Gestalten herum. Hat auch sein Gutes: man kann seinen „Stil“ komplett ausleben und wird von allen Menschen gebührend ignoriert.

Allerdings gibt’s auch viele tatsächlich verrückte und schreiende und perverse Menschen. Besonders S-Bahn fahren ist ein großes Vergnügen, wenn man auf der Suche nach unbekannten Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung ist.

Gerade hat sich wieder der Taschen-Grabscher neben mich gesetzt. Diesem alten Herren bin ich schon mehrmals begegnet, deshalb wusste ich was mir blüht…

Er ist ein bisschen stinkig und hat einen riesigen, kantigen Plastikbeutel gefüllt mit Pfandflaschen und setzt sich neben Frauen. Die große Tasche auf seinem Schoß und halb auf dem der Nachbarin versucht er sich unterm Sichtschutz seiner Flaschen mit seiner Hand zum Schenkel seines Opfers zu arbeiten.

Er hat mich schon 2Mal in der Vergangenheit betatscht. Schon Jahre her. Aber sowas vergisst man nicht. Beim ersten Mal, wollte ich ihm nichts Böses und dachte er zittert vielleicht und seine Hand ist ausversehen zu meinem Schenkel gewandert, alten Menschen sind zufällige Bewegungen halt zuzutrauen. Beim zweiten Mal mit seiner fetten Tasche und den Fingern auf meinem Bein bin ich sofort aufgestanden und habe mich weggesetzt. Beim dritten Mal neben mich Setzen habe ich ihn sofort erkannt und bin gleich weg.

Seitdem sind vllt 4 Jahre vergangen. 

Heute fahr ich nichts ahnend S-Bahn, und sehe dass ein alter Mann mit fettem Plastikbeutel einsteigt. „Ist das nicht der Grabscher?“, denke ich mir.

Er setzt sich neben mich. Ich beobachte ihn ganz genau. Tatsächlich: seine Hand schiebt sich gaaaanz allmählich unter meinen Rock. Spinnenbeinartig wandern seine Finger voran. Sehr langsam aber zielgerichtet.

Ich hätte kotzen können.

Bin mit einer lauten Bewegung aufgestanden und hab mich weggesetzt.

Seine Reaktion war jedesmal ebenso abruptes Aufstehen und fluchtartiges Bahn verlassen.

Ich habe ihm kein einziges Mal irgendwas gesagt. Hilfe brauchte ich nicht rufen, da ich mich in keiner ernsthaften Gefahr sah und auch nicht war. Der Mann war viel zu klapprig, als dass er mich hätte überwältigen können. Uhrzeit war übrigens morgens um 9Uhr und es gäbe genug Menschen, die Hilfe hätten leisten können.

Aber wie reagiert man angemessen in so einer Situation? Niemand der Anwesenden hat überhaupt bemerkt, was der Alte da wohl den ganzen Tag treibt. Was hätte ich ihm sagen sollen. „Hör auf! Das macht man nicht!“?, das weiß der selber, sonst hätte er das nicht so subtil gemacht und wär nicht so rasant abgehauen.

Irgendwie wollte ich auch gar nicht stärker reagieren, das würde es wiederum zu sehr an mich ranlassen und Verdrängen ist eine altbewährte Methode unseres Körpers. Ruft man die Polizei? Und dann? Strafgeld? Und dann? Ich will überhaupt nichts mit diesem Mann zu tun haben, dennoch finde ich es blöd, überhaupt nicht zu reagieren.

Ich lege mir gerade einen Text zurecht, dem ich ihm sagen werde. Laut und deutlich: „Nein! Sie fassen mich nicht an und Sie fassen auch keine andere Frau an!“

Ich hoffe, das wirkt wie ein Hexspruch!

Ich hoffe, ich muss gar nicht erst zaubern.

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21 Gedanken zu “Über den berliner S-Bahn Taschen-Grabscher…

  1. Man weiß ja nie wie die anderen S-Bahnfahrer reagieren, wenn man lautstark seinen Unmut zum Ausdruck bringt. Es gibt genug Frauenhasser, die sich dann noch eins ins Fäustchen lachen. Aufstehen und woanders hinsetzen ist das Beste was du tun kannst.

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    1. das ist ehrlich gesagt ziemlich traurig. Das sollte, wenn dann auch kein Unmut sein, sondern eine Lektion. Meinen Unmut tu ich ja durch den Beitrag kund. Hoffenlicht seh ich den einfach nie wieder, dann muss ich nicht überlegen, was das Beste ist. Wahrscheinlich steh ich dann wirklich wieder stumm auf und setze mich um.

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    1. Der Fluchtinstinkt in solchen Situationen ist halt ziemlich hoch. Ich bin schon überrascht von mir selbst, dass ich abgewartet hab um zu gucken, was er treibt. Aber mir rutscht da eher das Herz in die Hose, als dass ich da mutig jemandem die Meinung geige…

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      1. Das sind meist Typen die es meist gar nicht mögen „öffentlich“ gemacht zu werden. Natürlich sollst du dich von ihm entfernen- aber eben lautstark 😉 Und ich verstehe das das Herzchen bubbert- aber lass sowas nicht im Ansatz mit dir machen und durchgehen.

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      2. Was ich schon belästigt worden bin… Einer hat mir mal an den Arsch gegrabscht. Dem hab ich dann reflexartig und filmreif eine runtergehauen, danach hat der mich zu Boden getreten… und gemeint er zeigt mich an wegen Körperverletzung. Super Sache… hab ihm dann gesagt, dass ich ihn anzeige wegen sexueller Belästigung. Dann hat der komisch geguckt und wahrscheinlich erst realisiert, was da abging… Und ist abgedampft…
        Ein anderer hat mir an den Arsch gegrabscht, mich an ne Wand gedrückt indem er meine Hände dabei festhielt, geschafft, es mir nen Kuss auf die Wange zu geben, hab mich natürlich versucht zu wehren. Männer sind scheiße stark! Und er hat nur von mir abgelassen, weil seine SBahn kam…
        Das sind alles so Geschichten, die mir zeigen, dass ich machtlos bin. Nur beim alten Knacker hatte ich noch die Oberhand… Was soll ich den noch anschreien, weißte?
        Mir tun nur die Frauen leid, die neben dem sitzen müssen. Dem wurde bestimmt schon der Marsch geblasen…
        Irgendwie kann man nur resignieren.

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      3. Schade ist, dass die scheinbar gar nicht raffen, was die machen und was in der Frau da passiert.
        Die Typen denken wohl: „geil ich hab der an den Arsch gefasst.“ Währenddessen die Frauen ne Heidenangst kriegen, gerade im Dunkeln auf der Straße…
        Letzten Sonntag bin ich auch nachts dann gegen 3 zum Nachtbus gelaufen und wurde dabei von einem Mann angesprochen: „hey how are you“. Was soll denn der Scheiß? ‚Ja super geht’s mir wenn ich allein nachts auf der Straße bin und du mich von der Seite anquatscht.‘ Ignorieren ist da die einzige Strategie. Irgendeine Reaktion egal ob positiv oder negativ hätte zu einer ungewollten Interaktion geführt… Die Männer wissen leider gar nicht, wieviel Angst man nachts als Frau hat…

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      4. Mir erzählte ein Kumpel letztens, wie sie mit 3 Jungs nachts unterwegs waren, besoffen. Vor ihnen lief eine Frau, und einer der Typen ist auf sie zu gerannt (laut dem Kumpel mit dem ich redete „aus Spaß“, weil er halt blau war), woraufhin das Mädel panisch wegrannte. Da hätte er ja dann gemerkt, dass das für sie wahrscheinlich gar nicht lustig war.
        Da kannst dir nur ann Kopp fassen. Meine Fresse.

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      5. 😦 hoffe, sie ist gut heimgekommen.
        Männer sind halt einfach mal stärker und können dich ganz einfach überwältigen. Das ist halt auch so beschissen. Für die Jungens ist es ein Spiel. Dieser Typ, der mich festgehalten hatte, war ein Halbstarker vllt gerade 18 geworden und sah super schlaffi aus. Aber nee nee, ich konnte nichts gegen den ausrichten. Das ist schon sehr lange her, aber ich erinnere mich noch gut daran. Es war Gott sei Dank in keiner dunklen Ecke gewesen sondern mitten aufm gut frequentierten Bahnhof. Der war halt auch angetrunken… und für ihn war es definitiv ne lustige Geschichte…

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  2. ich würde dem ordentlich eine runterhauen… wann weiss ja nie, wohin seine Hände sonst noch so wandern… gibt ja auch Kinder die S-Bahn fahren und ich weiss nicht, ob die ähnlich cool reagieren wie du….

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    1. Das ist ja genau das Ding. Bewirkt runterhauen irgendwas? Außerdem ekel ich mich dermaßen vor dem, dass ich den mitnichten anfassen werde. Ihm halt irgendwas ins Gesicht sagen, dass das nicht in Ordnung ist, was er macht, ist dann vllt doch besser. Und da bin ich wieder bei der Sache: er weiß es doch schon längst 😦 ich überlege mir was…

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      1. tendenziell hat ne Ohrfeige noch nie geschadet, aber ja, du hast Recht. Gewalt ist das falsche Mittel. Evtl. dem Zugspersonal melden?

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      2. Falls du die anderen Kommentare gelesen hast, kannst du die Folgen meiner letzten Ohrfeige erfahren.
        Ist halt wirklich keine Lösung. Wahrscheinlich krepiert der alte Sack gar noch an nem Herzinfakt.

        Abgesehen vom Bahnführer hat die Sbahn leider kein Zugpersonal und an den Bahnhöfen, gibt’s auch oft keine Angestellten, da alles automatisiert abläuft.
        Naja, danke für die rege Beteiligung, ich werde mal schauen, ob es ein nächstes Mal gibt und wie ich dann reagiere… irgendwas muss kommen, das Gefühl hab ich auch, deshalb meine Frage an euch!

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  3. Ich bin Fassungslos!!!

    Bitte, liebe Frauen, lasst Euch nicht einschüchtern, egal wie oft ihr schlechte Erfahrungen gemacht habt.
    Gerade bei den vorgenannten Erzählungen ist es wichtig, dass ihr Euch mal mit Selbstverteidigung beschäftigt und Frauen bzw. Mädchen, die das nicht können, oder bei denen akute Hilfe nötig ist – es gibt Handtaschenalarme, Trillerpfeifen etc.

    Wichtig ist, ihr macht, egal wie unangenehm es Euch scheint, in so einer Situation auf Euch aufmerksam. Eine Belästigung wird schneller als ihr denkt zu einer Vergewaltigung!
    Was wäre passiert, wenn die S-Bahn von Deinem einem Grabscher nicht plötzlich gekommen wäre?

    Ruft, schreit, tretet.
    Sag z. B. dem alten Opi-Grapscher laut, am besten bevor er sich setzt: „Sie sind doch der Grapscher!“ oder „Hey, was machen Sie da, Sie fassen mir ans Bein/Knie, das geht gar nicht!“ und dann aufstehen und weggehen, am besten noch hinterherschicken, wenn man ihn noch einmal sieht gibt es eine Strafanzeige wegen sexueller Belästigung.

    Wichtig ist, SAGT WAS, schluckt es nicht runter! Denn solche Kerle, egal wie alt, HÖREN NIEMALS AUF solange man sich nicht wehrt. Und egal was ihr hofft – SIE WERDEN ES AUCH ANDEREN ANTUN!

    WEHRT EUCH ENDLICH!

    Es ist nicht lustig wenn man begrapscht wird, das ist übergriffig und kann auf keinen Fall irgendwie abgetan werden. Egal wie alt oder jung jemand ist, egal ob aus versehen oder nicht.
    Zeigt Eure Grenzen auf und lasst Euch nicht von Fremden Leuten begrapschen und misshandeln, nur weil sie stärker sind. Es gibt viele Menschen die immer noch Zivilcourage haben und helfen.
    Körperliche Schwäche heisst nicht, dass man unterlegen sein muss!

    Und nur weil jemand alt ist, oh der arme, darf er das noch lange nicht!
    Vor vier Jahren hat Dein S-Bahn-Grapscher das schon gemacht?! Und vor 10 Jahren? War er da auch schon so „bemitleidenswert“ alt?

    Und Dir kann ich nur ans Herz legen Deine „Opfer-Position“ zu überdenken, Dich aufzurichten und Dir das nicht mehr gefallen zu lassen.
    Viel Kraft und Mut gehört dazu, ja, aber das steckt alles in Dir!
    Sonst hättest Du bestimmt nicht so mutig und öffentlich darüber geschrieben.

    Doch das war bestimmt nur der erste Schritt 🙂

    Ich wünsche Dir viel Erfolg!

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    1. Ich will den nie wieder sehen! Und wenn: ich hab mir ja so viele mögliche Reaktionen zurecht gelegt, aber was ich dann mache, wenns drauf ankommt… Selbstverteidigung ist ne gute Idee. Machtlos sein ist schrecklich.
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich werde ihn beherzigen.

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